{"id":2227,"date":"2025-01-07T11:09:45","date_gmt":"2025-01-07T10:09:45","guid":{"rendered":"https:\/\/convivialthinking.org\/?page_id=2227"},"modified":"2025-01-17T09:19:17","modified_gmt":"2025-01-17T08:19:17","slug":"wertschatzende-aneignung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/convivialthinking.org\/index.php\/wertschatzende-aneignung\/","title":{"rendered":"Ist eine wertsch\u00e4tzende Aneignung von Kultur m\u00f6glich?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>von Bruni Sonne<\/em><\/p>\n<p>Der Beitrag ist auch auf <a href=\"https:\/\/convivialthinking.org\/index.php\/2025\/01\/07\/appreciative-appropriation\/\">Englisch<\/a> und <a href=\"https:\/\/convivialthinking.org\/index.php\/appropriation-appreciative\/\">Franz\u00f6sisch<\/a> verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin <em>wei\u00df<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a><\/em>, deutsch, weiblich und im Gro\u00dfen und Ganzen ziemlich privilegiert<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, in Deutschland &#8211; und umso mehr global gesehen. Ich habe sechs Jahre lang Dreadlocks getragen, dazu sehr h\u00e4ufig Kleidung aus afrikanischen Stoffen. Jetzt kannst du im Prinzip aufh\u00f6ren zu lesen und mich sogleich als rassistisch abstempeln. Meine S\u00fcnde: Cultural Appropriation<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> (zu Deutsch: kulturelle Aneignung).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder du liest weiter und lernst mich als Person erst mal ein wenig kennen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sehe, dass <em>wei\u00dfe<\/em> Personen mit Dreadlocks offensichtlich Schwarze Menschen insbesondere in Deutschland\/im globalen Norden verletzen k\u00f6nnen. Das war nie meine Absicht und es tut mir wirklich leid, dass ich durch das Tragen von Dreadlocks Verletzungen bei manchen Schwarzen Personen hervorgerufen habe. Mir ist es wichtig zu betonen, dass ich mit diesem Blogbeitrag die Verletzungen, die <em>wei\u00dfe<\/em> Personen mit Dreadlocks bei einigen Schwarzen Personen hervorruft, nicht relativieren m\u00f6chte. Genauso wenig m\u00f6chte ich sie vergleichen, mit meiner eigenen emotionalen Vulnerabilit\u00e4t bei dem Thema. Weiterhin will ich betonen, dass ich keinesfalls abstreiten will, dass es eine negative Form der kulturellen Aneignung gibt, insbesondere (aber nicht ausschlie\u00dflich) im Zusammenhang mit kapitalistischer Ausbeutung wird dies besonders deutlich. Aber kann es nicht auch positive, wertsch\u00e4tzende, kontextbewusste Formen geben, sich Aspekte oder Symbole anderer Kulturen zu eigen zu machen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will mir nicht anma\u00dfen zu wissen, wo frau genau die Grenze ziehen sollte, aber ich will darauf hinweisen, dass ich die Welt als komplexer wahrnehme, mit einem Spektrum zwischen neokolonialer, rassistischer, ignoranter kultureller Aneignung und wertsch\u00e4tzenden Formen sich Aspekte anderer Kulturen anzueignen und dass ich mir w\u00fcnschen w\u00fcrde, nicht vorschnell pauschal verurteilt zu werden, ohne dass Menschen mich und meine Beweggr\u00fcnde kennen. Deswegen entschuldige bitte, dass sich zur Veranschaulichung der Rest des Textes ziemlich stark um meine pers\u00f6nliche Geschichte dreht. Nein, ich begreife mich nicht als Nabel der Welt und es gibt tausende wichtigere Probleme als diese Geschichte. Deswegen hat es auch Jahre gedauert, bis ich jetzt erst diesen Text schreibe, zu lange habe ich das Thema versucht vor mir selbst runterzuspielen. Aber Fakt ist, es besch\u00e4ftigt mich schon seit langem, also ist es vielleicht doch mal an der Zeit auch dieser Perspektive Raum zu geben\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit 17 habe ich im Franz\u00f6sisch-Leistungskurs Tiken Jah Fakoly kennen und lieben gelernt. Bis heute ist er mein absoluter Lieblingsk\u00fcnstler. Ich habe durchs \u00dcbersetzen so vieler seiner franz\u00f6sischsprachigen Lyrics mein Franz\u00f6sisch aufpoliert, eine (politisierte) afrikanische Perspektive auf den Kontinent kennen gelernt und eine sch\u00fcchterne Liebe zum (Mit)singen entdeckt. Vor allem aber bin ich seinem Ruf gefolgt: \u00ab\u00a0Viens Voir, toi qui parle sans avoir, l\u2019Afrique n\u2019est pas ce qu\u2019on te fait croire\u00a0\u00bb (auf Deutsch: Komm und sieh, du, die du sprichst, ohne zu wissen, dass Afrika nicht das ist, was man dich glauben lassen will). Nach meinem Abi in einer kleinen wohlhabenden, \u00fcberwiegend <em>wei\u00df <\/em>gepr\u00e4gten Kleinstadt, bin ich f\u00fcr sechs Monate nach Senegal gegangen. Heute sehe ich Freiwilligendienste in der Regel aus verschiedenen Gr\u00fcnden recht kritisch. Aber dankbar bin trotzdem f\u00fcr diesen ersten Aufenthalt, der mein Leben so stark gepr\u00e4gt hat wie nur wenig Anderes. Ich bin dankbar f\u00fcr meinen \u201akharitu bu ben bakan\u2018, meinen besten Freund und damaligen Gastbruder M., der mich im sp\u00e4teren Verlaufe mehrmals in Deutschland besucht hat. Dankbar f\u00fcr meine Gastfamilie, die ich seitdem immer wieder besucht habe. Ich bin dankbar f\u00fcr die Handvoll Freundschaften, die seit damals irgendwie \u00fcberdauert haben. Dankbar daf\u00fcr, dass ich vor zwei Jahren Patentante des ersten Kindes eines guten Freundes aus dieser Zeit wurde. Aber vor allem haben diese sechs Monate meinen Blick auf die Welt ver\u00e4ndert. Angeblich hatte ich schon als Kind ein ausgepr\u00e4gtes Gerechtigkeitsempfinden und auch zu Schulzeiten habe ich mich f\u00fcr Themen der Gerechtigkeit interessiert, Ethik war mein Lieblingsfach. Allerdings war ich damals in einem v\u00f6llig entpolitisierten Kontext. Und so war es die schreiende globale Ungleichheit zwischen \u00f6konomisch arm und reich, die mir in Senegal nicht nur theoretisch, sondern irgendwie auch auf eine gef\u00fchlte Art und Weise bewusstwurde und die mich f\u00fcr immer politisiert hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch nach neun Senegal-Aufenthalten verschiedener Dauer und mehrerer Jahre Beziehung mit senegalesischen Partnern, lerne ich immer wieder neue Dinge, darunter einige, die ich in Deutschland als Manko erlebe. Ebenfalls dankbar bin ich f\u00fcr die senegalesischen Lektionen zu Geduld und insbesondere \u00fcbers Teilen. Ich will nicht behaupten, dass insbesondere letzteres einfach war \u2013 in einer hoch individualisierten und kapitalistischen Gesellschaft aufzuwachsen, legt frau nicht von heute auf morgen ab. Noch weniger will ich damit aussagen, dass der Prozess des Lernens von der senegalesischen Gesellschaft (inkl. des Teilens) f\u00fcr mich abgeschlossen ist. Auch mein Sch\u00f6nheitsideal hat sich durch Senegal ver\u00e4ndert: Eine st\u00e4rkere Wertsch\u00e4tzung meiner Kurven sowie meiner Bein- und sp\u00e4ter auch Achselhaare. Dies war gepaart mit der Entdeckung einer f\u00fcr mich neuen \u00c4sthetik, die ich rund um mich herum beobachtete: afrikanische Stoffe, das Tragen von viel Schmuck (also z.B. Ohrringe, plus Kette, plus Armb\u00e4nder\/-reife, plus Fingerringe), geflochtene Z\u00f6pfchen (braids), Dreadlocks, seltener Afros und nicht zuletzt verschiedene T\u00f6ne Schwarzer Haut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon auf meiner ersten Reise ging es los mit der Kultur des Schenkens: Kolleg*innen, Freund*innen, manchmal Verk\u00e4ufer*innen schenkten mir senegalesische\/(west-)afrikanische Kleidung, Stoffe und Schmuck. Zum Abschied dann auch meine Gastfamilie. Zus\u00e4tzlich kaufte ich mir selbst Stoffe und lie\u00df sie bei meinem mittlerweile verstorbenen Freund und Schneider M. (m\u00f6ge seine Seele in Frieden ruhen) zun\u00e4chst in Modelle meiner Fantasie, sp\u00e4ter eher in an die lokale Mode angepasste Kleidungsst\u00fccke verwandeln. Aber ich bekam auch Stoff von einer Frauenkooperative mit dem Auftrag mir eine \u201ataille basse\u2018 (Oberteil, bodenlanger Rock, ggf. mit senegalesischem Kopftuch) f\u00fcr deren Feier schneidern zu lassen. Dort angekommen war es irgendwie berauschend, dass alle Frauen, inklusive mir den gleichen Stoff nur in leicht abgewandelten Modellen trugen. Dann ein kurzer Schock, ich hatte kurz den Eindruck mich selbst zu sehen, aber es war nur eine andere <em>wei\u00dfe<\/em> Frau mit zwangsweise dem gleichen Outfit, einer \u00e4hnlichen Figur und der gleichen Sonnenbrille. Nat\u00fcrlich wusste ich auch nach mehreren Monaten, dass ich in diesem Land nur zu Gast bin, dar\u00fcber konnte auch mein Konversationswolof nicht hinwegt\u00e4uschen. Nur dass ich mit meiner <em>wei\u00dfen<\/em> Haut in einer Schwarzen Menschenmenge so herausstechen w\u00fcrde, das hatte ich irgendwie nicht gedacht &#8211; bis zu diesem kurzen Schreckmoment h\u00e4tte ich damals fast kurz vergessen, wie <em>wei\u00df<\/em> ich bin.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Tabaski, zum Opferfest, lie\u00df ich mir dann d\u00fcnne Z\u00f6pfchen (braids) flechten, meine Dreadlocks folgten erst ein paar Jahre sp\u00e4ter. All dies war Teil einer Ann\u00e4herung an diese f\u00fcr mich neu entdeckte \u00c4sthetik, die f\u00fcr mich nicht losgel\u00f6st, sondern Teil von Kultur und Gesellschaft ist. Dabei verfolge ich nat\u00fcrlich nicht das Ziel Schwarz zu werden. Ich bin <em>wei\u00df<\/em> und werde immer <em>wei\u00df<\/em> sein. Aber ich sp\u00fcre das Bed\u00fcrfnis nach einer gewissen Form von Ann\u00e4herung, von Integration (?) in die senegalesische Gesellschaft. Daf\u00fcr lerne ich weiter die Hauptverkehrssprache wolof, stelle meinen n\u00e4chsten senegalesischen Vertrauten viele Fragen und zeige meine Wertsch\u00e4tzung des Gastgeberlandes unter anderem dadurch, dass ich mich kleidungsm\u00e4\u00dfig anpasse und dass ich mich bem\u00fche bei der Kultur des Schenkens mitzumachen sowie die Kultur der Gastfreundschaft zu praktizieren (ebenso in Deutschland). Das soll nat\u00fcrlich nicht hei\u00dfen, dass ich ausnahmslos alles an senegalesischer Kultur super finde, aber das tue ich in Deutschland ja ebenso wenig. Und ob ich eine gute Sch\u00fcler*in bin oder vielleicht doch nur mittelm\u00e4\u00dfig, das m\u00fcssen Senegales*innen beurteilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fakt ist, Senegal hat mich ver\u00e4ndert. Senegal ist ein Teil von mir geworden. Das macht mich nat\u00fcrlich nicht zur Senegalesin, aber ich kann mir nicht vorstellen, Senegal jemals wieder aus meinem Leben auszuradieren. Weder die Freundschaften noch bestimmte Aspekte der Kultur(en) oder die zahlreichen Lektionen, die Senegal mir seit immerhin \u00fcber zehn Jahren beschert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber mein erster Aufenthalt hat mir auch viele Fragen aufgeworfen und in dem Versuch, diese zu beantworten (z.B. wo kommt die grassierende weltweite Ungleichheit her?), habe ich sowohl mein Bachelor- als auch mein Masterfach gew\u00e4hlt und mich in diesem Zuge mit Kritik an Entwicklungszusammenarbeit, einschlie\u00dflich post-development sowie mit postkolonialen Perspektiven, einschlie\u00dflich auf unser Wirtschaftssystem besch\u00e4ftigen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die n\u00e4chsten Westafrikaaufenthalte werde ich nur andeuten, wahrscheinlich habt ihr nicht bis \u00fcbermorgen Zeit diesen Blogeintrag zu lesen. Ich war also in verschiedenen Kontexten (Besuche, Reisen, Praktika, Forschung) noch mehrfach in Senegal und auch in ein paar anderen westafrikanischen L\u00e4ndern (Gambia, Benin, Togo, Burkina Faso, Niger). Senegal blieb jedoch das Land meines Herzens. W\u00e4hrend den letzten 2 Monaten eines 9monatigen Aufenthalts in Benin einige Jahre sp\u00e4ter interviewte ich Menschen, die sich selbst als Rastas identifizieren. Damals hatte ich bereits seit ein paar Monaten Dreadlocks und wollte unter anderem mehr \u00fcber die Hintergr\u00fcnde dieser Frisur erfahren. Nat\u00fcrlich habe ich mich auch gefragt, wie mich Schwarze Rastas als <em>wei\u00dfe<\/em> Person mit Dreadlocks wahrnehmen w\u00fcrden. Ablehnung habe ich dabei kein einziges Mal erfahren (zumindest wurde mir keine kommuniziert). Ich selbst habe mich nie als Rasta identifiziert, sondern habe kommuniziert, dass ich neugierig sei zu erfahren, was es bedeutet Rasta zu sein und auf Nachfrage hin, dass ich mit Rastafari sympathisiere. Und doch wurde mir im Laufe der Interviews von meinen Gegen\u00fcbern ein paar Mal zugeschrieben, Rasta zu sein, in einer inkludierenden Art und Weise. Das hat mich sehr \u00fcberrascht, aber ich habe mich gefreut und willkommen gef\u00fchlt, w\u00e4hrend ich es mir nie anma\u00dfte mir diese komplexe (jedoch durchaus recht heterogene) Identit\u00e4tskategorie selbst zuzuschreiben. Bei Gespr\u00e4chen wurde jedoch auch deutlich, dass es f\u00fcr manche Beniner*innen eine Frage von Style und \u00c4sthetik ist, Dreadlocks zu tragen, und dies nicht unbedingt spirituell bedingt und\/oder mit Rastafari verkn\u00fcpft sein muss. F\u00fcr andere ist es sehr wohl spirituell mit Rastafari verkn\u00fcpft oder z.B. im Falle von vielen, aber nicht allen Senegales*innen und Gambianer*innen mit Dreadlocks mit den Bayefall und Yayefall, einer muslimischen, sufistischen Str\u00f6mung, deren Anh\u00e4nger*innen h\u00e4ufig Dreadlocks tragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich gerade in Deutschland bin, dann habe ich viele Freund*innen aus allerlei L\u00e4ndern der afrikanischen Diaspora um mich, wer auf Festen von mir war, hat bestimmt einen Eindruck davon bekommen. Des Weiteren organisiere ich mich in verschiedenen Kontexten politisch mit teilweise gefl\u00fcchteten, teilweise studierenden Afrikaner*innen in Deutschland zu Themen wie Kampf gegen Neokolonialismus und f\u00fcr Bewegungsfreiheit. Von vielen erfahre ich regelm\u00e4\u00dfig Wertsch\u00e4tzung gegen\u00fcber meiner Person und auch Komplimente zu meinem \u201aafrikanisierten\u2018 Aussehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und boom, eines Tages brach die Debatte um kulturelle Aneignung \u00fcber mich herein. Und dann hat es noch einen guten Moment (=mehrere Jahre) und viele innere Monologe gedauert, bis meine Dreadlocks gefallen sind \u2013 mit dem Versprechen an mich, dass meine Kleidung aus afrikanischen Stoffen und mein Schmuck bleiben werden. Zu gro\u00df war die Angst, mich sonst zu verlieren. Jetzt, wo ich mein Herz l\u00e4ngst an Senegal verloren hatte und Senegal ein Teil von mir geworden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den vielleicht zwei Jahren, bevor ich zur Schere griff, fielen mir manche Situation nicht leicht, Situationen, in denen ich mich anderenfalls wohl gef\u00fchlt h\u00e4tte: Zu einem postkolonialen deutschlandweiten Vernetzungstreffen gehen (aus Angst vor Ablehnung blieb ich sch\u00fcchtern, insbesondere den BPOC<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>-Teilnehmenden gegen\u00fcber), eine Veranstaltung mit einem Schwarzen Gast von Berlin Postkolonial moderieren (ich lie\u00df im Vorfeld anfragen, ob es ihm recht sei, von einer <em>wei\u00dfen<\/em> Dreadlockstr\u00e4gerin moderiert zu werden, was er zu meiner Erleichterung bejahte), zu einem BPOC-Festival in meiner Stadt gehen (zwischendurch hatte ich das dubiose Gef\u00fchl ablehnende Schwingungen wahrzunehmen und bat den mich zur Veranstaltung begleitenden namibischen Freund, kurz mit mir rauszugehen), im antirassistischen Block der Unteilbar-Demo in Berlin mitzulaufen und die Rede eines kongolesischen Mitstreiters vorzulesen (ich fl\u00fcchtete zum Gesundheitsblock). Also insbesondere (politisierte) Situationen mit Schwarzen Personen, die ich nicht kenne und von denen ich auf den ersten Blick nicht wei\u00df, wie sie zu <em>wei\u00dfen<\/em> Dreadlockstr\u00e4ger*innen stehen und je nachdem, ob sie in Deutschland sozialisiert sind (was allerdings nicht unmittelbar sichtbar sein muss), rechne ich mit einem h\u00f6heren Ablehnungspotenzial &#8211; wenn sie hingegen auf dem afrikanischen Kontinent sozialisiert sind, rechne ich mit einem niedrigen Ablehnungspotenzial meiner Person (jeweils auf den ersten Blick).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbstverst\u00e4ndlich ist es gut m\u00f6glich, dass es bestimmten Schwarzen Personen auf der anderen Seite auch nicht leicht fiel mit meiner Pr\u00e4senz umzugehen, mitunter war das sogar viel schwieriger. Vieles habe ich sicher nicht mitgekriegt oder manchmal nur Schwingungen, bei denen ich nicht sicher sein konnte, ob es \u00fcberhaupt irgendetwas mit meinen <em>wei\u00dfen<\/em> Dreadlocks zu tun hatte. Explizites negatives Feedback habe ich in den sechs Jahren selten bekommen. Einmal kollektive Kritik auf einem Plenum auf einem Klimacamp, wo eine Schwarze Aktivistin gesagt hat, sie w\u00fcrde sich nicht wohl f\u00fchlen mit den vielen <em>wei\u00dfen<\/em> Menschen mit Dreadlocks hier. Daraufhin habe ich mir f\u00fcr die restlichen Tage ein Tuch um die Haare gebunden. Nat\u00fcrlich m\u00f6chte ich nicht, dass sie sich wegen mir unwohl f\u00fchlt. Und ja, es ist ambivalent, dass ich diese Konsequenzen nicht dar\u00fcber hinaus gezogen habe, da ich nicht wissen kann, f\u00fcr wen meine Pr\u00e4senz noch eine St\u00f6rung darstellt. Dann individuelles Feedback an mich im Rahmen einer wissenschaftlichen Online-Konferenz. Die Schwarze deutsche Referentin sagte, sie h\u00e4tte sich nicht auf meine Frage konzentrieren k\u00f6nnen, weil sie sich die ganze Zeit gefragt h\u00e4tte, ob sie richtig sehe, dass ich wirklich <em>wei\u00df<\/em> mit Dreadlocks und afrikanischer Kleidung sei (implizit meinte sie damit wohl auch: und dass auf einer postkolonial, antirassistisch ausgerichteten Konferenz). Diese Erfahrung hat mich besonders mitgenommen und sicherlich auch zu meiner finalen Entscheidung beigetragen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2224\" src=\"https:\/\/convivialthinking.org\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_20230427_192905-002-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/convivialthinking.org\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_20230427_192905-002-300x225.jpg 300w, https:\/\/convivialthinking.org\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_20230427_192905-002-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/convivialthinking.org\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_20230427_192905-002-768x576.jpg 768w, https:\/\/convivialthinking.org\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_20230427_192905-002-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/convivialthinking.org\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_20230427_192905-002-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/convivialthinking.org\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_20230427_192905-002-640x480.jpg 640w, https:\/\/convivialthinking.org\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_20230427_192905-002-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solche <em>wei\u00dfe<\/em> Dreadlocks klar ablehnenden Reaktionen lassen sich, denke ich, vor allem auch mit den Spuren des europ\u00e4ischen (einschl. deutschen) Kolonialismus auf dem afrikanischen Kontinent erkl\u00e4ren. Zur Kolonialzeit wurden afrikanische Kulturen, Wissen und \u00c4sthetik systematisch von den europ\u00e4ischen Kolonisator*innen abgelehnt und abgewertet. Im Zuge der perverserweise sogenannten \u201eZivilisierungsmissionen\u201c gerieten auch nat\u00fcrliche afrikanische Frisuren wie Afros und Dreadlocks in Verruf, sollten \u201egez\u00e4hmt\u201c, sprich gegl\u00e4ttet oder gek\u00fcrzt werden. Und nur durch solche Anpassungen kam man im bestehenden System weiter nach oben (wo man sich m\u00f6glicherweise eine gewisse Einflussnahme erhoffte). Auch im hiesigen System werden immer wieder Schwarze Personen mit Dreadlocks diskriminiert. Dass die Kolonialzeit alles andere als einfach vorbei ist, scheint mittlerweile sogar in Deutschland in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein, auch wenn den meisten sicherlich nicht bewusst ist, wie weit der Weg zur Dekolonisierung tats\u00e4chlich noch ist (hiervon m\u00f6chte ich mich selbstverst\u00e4ndlich nicht ausnehmen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle m\u00f6chte ich den verschiedenen afrikanischen Freund*innen danken, mit denen ich mal beil\u00e4ufiger, mal intensiver \u00fcber das Thema gesprochen habe und von denen ich viel R\u00fcckhalt f\u00fcr das Tragen meiner Dreadlocks und Kleidung erfahren habe sowie Irritationen \u00fcber die Position der kulturellen Aneignung gegen\u00fcber <em>wei\u00dfen <\/em>Locks. Einige von ihnen fanden es sp\u00e4ter explizit bedauerlich, dass die Debatte mich letztendlich zum Griff zur Schere bewegt hat. Und ein besonders gro\u00dfes Dankesch\u00f6n an dieser Stelle auch an S., dass du als Freundin und antirassistisch versierte POC-Person gerade in den letzten Monaten, als die Entscheidung eigentlich schon gefallen war, aber ich mich noch mental darauf vorbereiten musste und ein gro\u00dfes Emotionenchaos in mir geherrscht hat, f\u00fcr mich da warst und mein emotionales mit mir Ringen liebevoll und kritisch zugleich begleitet hast.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen Schluss hin m\u00f6chte ich noch eine kleine Anekdote mit euch teilen: Eine <em>wei\u00dfe<\/em>, politische Mitstreiterin, die regelm\u00e4\u00dfig nach Mali reist, berichtete mir mal, dass sie in Mali mehrfach von malischen Mitstreiterinnen aufgefordert wurde, sich malische Kleidung zuzulegen, bzw. sie daf\u00fcr auch Stoffe geschenkt bekam und sie jedoch Bedenken hatte der Aufforderung nachzukommen &#8211; wegen der Debatten um kulturelle Aneignung, die sie aus Deutschland kannte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Verfechter*innen des Vorwurfs der kulturellen Aneignung zum Ziel haben, dass <em>wei\u00dfe<\/em> Menschen im globalen S\u00fcden Geschenke von Kleidung, Stoffen, Schmuck ablehnen? Und wenn es uns geschenkt wird, w\u00fcrde ich davon ausgehen, dass auch gew\u00fcnscht wird, dass wir die Geschenke tragen? Und nat\u00fcrlich reisen die Geschenke mit dem Koffer dann mit nach Deutschland. D\u00fcrfen wir sie da dann weniger tragen als auf dem afrikanischen Kontinent? Sollen wir so sch\u00f6ne Dinge etwa im Schrank versauern lassen? Eine ehemalige Mitbewohnerin von mir hat vor 3 Jahren ihre gesamte Garnitur an Kleidung aus ihrem Jahr in Ghana aufgrund der Debatte um kulturelle Aneignung aussortiert, mit der Folge, dass der Gro\u00dfteil davon nun in meinem Schrank h\u00e4ngt\u2026 Eine senegalesische \u201ataille basse\u2018 habe ich zugegebenerma\u00dfen noch nie in Deutschland getragen, au\u00dfer auf einer Konferenz mit unseren internationalen Partner*innen, und ich trug diejenige \u201ataille basse\u2018, die eine der senegalesischen Partnerorganisationen mir beim letzten Besuch geschenkt hatte. F\u00fcr den deutschen Kontext vom Schnitt her etwas weniger \u201em\u00e4chtige\u201c Kleidungst\u00fccke aus afrikanischen Stoffen sowie Schmuck trage ich jedoch recht h\u00e4ufig im Alltag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was nun? Seit einigen Jahren ist in mir zunehmend der Wunsch gewachsen nach Senegal zu ziehen. Ich hoffe dies in nicht allzu ferner Zukunft umsetzen zu k\u00f6nnen. Und ein klitzekleiner Teilgrund ist glaube ich schon, dass ich das Gef\u00fchl habe, hier in Deutschland nicht so richtig ich sein zu d\u00fcrfen, jedenfalls nicht mit meiner gef\u00fchlten Senegal-Connection (samt meinem Bed\u00fcrfnis, diese an meinem K\u00f6rper zu visualisieren) in einem antirassistisch-politisiertem Umfeld \u2013 also genau dem Umfeld, indem ich mich doch eigentlich politisch zuhause f\u00fchle\/f\u00fchlen m\u00f6chte. Und ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich mir in Senegal dann auch wieder Dreadlocks wachsen lassen m\u00f6chte. Ich rechtfertige das vor mir selbst damit, dass diese meiner Erfahrung nach in Deutschland sehr wohl als Affront aufgenommen werden k\u00f6nnen, in Senegal und auch den anderen afrikanischen L\u00e4ndern, die ich bereist habe, habe ich dies hingegen in all den Jahren kein einziges Mal so wahrgenommen. Und auch nach 3 Jahren, in denen ich meine Dreadlocks ausgek\u00e4mmt habe, fehlen sie mir immer noch regelm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was will ich denn jetzt eigentlich aussagen mit diesem Text? \u2013 war eine Frage einer Herausgeberin. Ich glaube, ich erhoffe mir im besten Fall ein kleines bisschen mehr Empathie mit mir, wenn du, insbesondere als Schwarze Person, die kritisch gegen\u00fcber wei\u00dfen Dreadlockstr\u00e4ger*innen eingestellt bist, mich das n\u00e4chste Mal siehst, wenn ich dann vielleicht gerade mit meinen Dreadlocks und meiner Kleidung aus afrikanischen Stoffen in Deutschland auf Heimaturlaub bin. Und vielleicht naiverweise hoffe ich, dass dies eines Tages nicht mehr der Fall sein wird, dass dieses Dilemma der Verletzungen uns spaltet. Ich wei\u00df nicht, ob wir deiner Meinung nach daf\u00fcr zuerst in einer weitgehend rassismusfreien Welt leben m\u00fcssen. Ich f\u00fcrchte, das wird noch ganz sch\u00f6n lange dauern, aber lass uns definitiv trotzdem darauf hinarbeiten!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Okay, meine Editorin, h\u00e4tte gerne noch eine politischere Aussage und sie hat ja recht&#8230; Nat\u00fcrlich, soll das Fazit meines Textes weder hei\u00dfen, \u201aMach eine Ausnahme mit mir\u2018 noch \u201aMach eine Ausnahme mit all jenen anderen <em>wei\u00dfen<\/em>, die eine \u201eausreichend tiefe\u201c Verbindung mit einem anderen Land aufgebaut haben. Wenn, dann m\u00fcsste sich so ein Fazit erstens auch auf BPOC Personen beziehen, die sich anderen L\u00e4ndern\/Kulturen verbunden f\u00fchlen (oder auch nicht ganz, weil die Machtasymmetrien hier anders, wenn jedoch oft auch nicht hierarchiefrei gelagert sind). Und zweitens m\u00f6chte ich nicht f\u00fcr Ausnahmen auf Basis von emotionaler Verbundenheit pl\u00e4dieren, denn das l\u00e4sst sich Menschen nicht ansehen und l\u00e4sst daher viele praktische Fragen unbeantwortet. Ich bin zwar so weit ausgeschweift, um an meinem eigenen Beispiel zu illustrieren, dass es manchen von uns <em>wei\u00dfen<\/em> und auch BPOC Personen aus bestimmten (hoffentlich zumindest teilweise nachvollziehbar gewordenen) Gr\u00fcnden alles andere als leichtf\u00e4llt, den Forderungen der Verfechter*innen der kulturellen Aneignungsdebatte nachzukommen, \u00e4u\u00dfere Zeichen einer bestimmten Nation\/Kultur\/Region\/etc., der wir uns verbunden f\u00fchlen und deren Wertsch\u00e4tzung wir gerne visualisieren w\u00fcrden, konsequent abzulegen. Und k\u00f6nnten wir uns hierauf einigen, w\u00e4re ich jedenfalls schon ziemlich gl\u00fccklich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jedoch frage ich mich dann, was ich mit den Ohrringen machen soll, die mir meine mexikanische Kollegin aus ihren Heimaturlauben mitbringt, mit den zwei Kleidern, die mir ein befreundetes somalisches Paar aus Kenia mitgebracht hat, mit dem vermutlich indischen Rock, den mir ein beninischer Freund vom Flohmarkt in Benin, wo es eine Indienabteilung gibt, damals in Benin mitgebracht und geschenkt hat, usw. Hier w\u00fcrde mir das Verzichten sehr, sehr viel einfacher fallen, weil ich keine besondere Verbindung mit diesen Regionen sp\u00fcre. Aber soll ich deswegen die Geschenke ablehnen? Oder soll ich sie h\u00f6flicherweise annehmen und dann nicht tragen? Das kann irgendwie auch nicht Sinn der Sache sein, oder?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn mir manche Dynamiken rund um die Debatte der kulturellen Aneignung absurd erscheinen, m\u00f6chte ich dem\u00fctig genug bleiben, um nicht \u201edie Wahrheit\u201c zu verk\u00fcnden, sondern nur meine subjektive Perspektive, die letztlich st\u00e4rker emotional als sachlich gepr\u00e4gt ist. Entsprechend vulnerabel f\u00fchle ich mich bei dem Gedanken an die Ver\u00f6ffentlichung dieses Texts und habe mich deswegen daf\u00fcr entschieden, anonym zu bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dfer Frage steht f\u00fcr mich allerdings auch, dass wir in Deutschland dringend daran arbeiten m\u00fcssen, dass BPOC Personen, die Kleidung oder andere \u00e4u\u00dfere Zeichen aus ihren eigenen nicht-deutschen oder nicht-mittel-\/westeurop\u00e4ischen Kultur(en) oder der ihrer Eltern\/Vorfahren tragen k\u00f6nnen, ohne dass sie daf\u00fcr rassistische Stereotypen wie \u201eR\u00fcckst\u00e4ndigkeit\u201c, ein konservatives Mindset oder Vorurteile, dass sie nicht deutsch sprechen k\u00f6nnten, begegnen m\u00fcssen. Auch Schwarze Personen mit Locks in Deutschland m\u00fcssen ungerechterweise immer noch so viel k\u00e4mpfen: Mein Ex-Freund wurde des \u00d6fteren gefragt, ob er Drogen verkaufe, dabei konsumiert er weder Marihuana, noch Zigaretten noch Alkohol. Einem anderen Freund wurde im Job (Ingenieursb\u00fcro) Druck gemacht, sich die Dreadlocks abzuschneiden, falls er aufsteigen wolle. Und das sind sicher keine Einzelf\u00e4lle. Sowie F\u00e4lle, die mir als <em>wei\u00dfer <\/em>Dreadlockstr\u00e4gerin (nicht zuf\u00e4llig) <strong>nicht <\/strong>passiert sind. Leider ist Rassismus (im kleinen wie im gro\u00dfen) nach wie vor hoch im Kurs, es bleibt viel zu tun f\u00fcr uns als Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">P.S. Irgendwie vergleichbar und zugleich v\u00f6llig anders ist die Erfahrung der fiktiven Romanfigur Saraswati im Buch \u201aIdentitti\u2018 von Mithu Sanyal, welches ich als sehr nahrhaftes \u201aGehirnfutter\u2018 zu Fragen wie, was <em>race <\/em>eigentlich tats\u00e4chlich bedeutet, wahrgenommen habe, auch wenn ich wahrscheinlich mit mehr Fragen als Antworten aus dem Buch rausgegangen bin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">P.P.S. Ich wei\u00df wirklich nicht, ob das was zur Sache tut, aber meine ersten geflochtenen Z\u00f6pfchen (braids), hat mir meine (angeheiratete), (ost)afrikanische Tante zum Geburtstag gemacht, als ich ungef\u00e4hr 11 war. Ich fand das total toll damals, dass sie mir das geschenkt hat. Ich werde das unter anderem nie vergessen, weil auf dem entsprechenden Klassenfoto\u2026direkt davor in der Pause haben mir meine Freundinnen geholfen die Z\u00f6pfchen zu \u00f6ffnen\u2026hatte ich anstatt langweiliger Spaghettihaare super volumin\u00f6se und frizzelige Haare. L\u00e4nger als ein paar Stunden hat das zu meinem Bedauern damals allerdings nicht gehalten.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber die Autorin<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Autorin ist eine <i>wei\u00dfe<\/i>, auch anderweitig recht privilegierte Akademikerin\/Doktorandin im Bereich Postkolonialismus. Sie reflektiert in ihrem Blogbeitrag zu der Frage, ob kulturelle Aneignung per s\u00e9 negativ ist, oder ob es nicht auch wertsch\u00e4tzende, bisher von der Debatte vernachl\u00e4ssigte, Formen von Aneignung kultureller Aspekte geben kann. Da die Debatte des \u00d6fteren recht aufgeladen ist, hat sie sich entschieden ihren Text unter Pseudonym zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Ich verstehe \u201a<em>wei\u00df<\/em>\u2018 genauso wie andere Kategorien, die wir im Englischen als \u201a<em>race<\/em>\u2018 bezeichnen, nicht als biologische Kategorie. Trotzdem ist es eine wirkm\u00e4chtige Kategorie, die in diesem Fall diejenige privilegierte Position beschreibt, die aufgrund ihres <em>Wei\u00df<\/em>seins keine Erfahrungen von Rassismus erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ich bin eine <em>wei\u00dfe<\/em> (cis-)Frau, ablebodied (habe keine Behinderung), ohne Religion, eher heterosexuell, stamme aus einer deutschen Mittelschichtfamilie und habe zwei Uniabschl\u00fcsse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Solltest du mit der Debatte um kulturelle Aneignung nicht (oder nur oberfl\u00e4chlich) vertraut sein, w\u00fcrde ich dir empfehlen, nach dem Stichwort im Internet zu suchen und insbesondere Artikel\/Podcasts, etc. von Schwarzen Autor*innen, die die Gegenposition vertreten, dazu zu lesen, um dir ein umfassenderes Bild zu machen. Dieser Blogbeitrag bildet keineswegs die Debatte an sich ab, sondern ist vielmehr eine Reaktion auf die im anti-rassistischen Milieu vorherrschende Position in der (deutschen\/europ\u00e4ischen\/US-amerikanischen) Debatte, kulturelle Aneignung durch <em>wei\u00dfe<\/em> Menschen sei durchweg negativ, da immer in (neo)kolonialer Manier aneignend und k\u00f6nne nicht auch wertsch\u00e4tzend und sich Machtasymmetrien bewusst sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Heute bin ich mir bewusst, dass dies umgekehrt Schwarzen Personen im globalen Norden nicht so schnell passiert, da die rassistische Mehrheitsgesellschaft sie immer wieder daran erinnert, dass sie vermeintlich anders sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> BPOC steht f\u00fcr \u2018Black and People and Colour\u2019, damit gemeint sind alle Personen, die nicht <em>wei\u00df<\/em> sind. Und ja Mama, darunter fallen auch z.B. f\u00fcr dich asiatisch aussehende Personen in Deutschland, sprich es geht um mehr als nur um die Hautfarbe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Bruni Sonne Der Beitrag ist auch auf Englisch und Franz\u00f6sisch verf\u00fcgbar. Ich bin wei\u00df[1], deutsch, weiblich und im Gro\u00dfen und Ganzen ziemlich privilegiert[2], in Deutschland &#8211; und umso mehr global gesehen. Ich habe sechs Jahre lang Dreadlocks getragen, dazu sehr h\u00e4ufig Kleidung aus afrikanischen Stoffen. Jetzt kannst du im Prinzip aufh\u00f6ren zu lesen und &hellip; <a href=\"https:\/\/convivialthinking.org\/index.php\/wertschatzende-aneignung\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &#8220;Ist eine wertsch\u00e4tzende Aneignung von Kultur m\u00f6glich?&#8221;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"om_disable_all_campaigns":false,"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"_uf_show_specific_survey":0,"_uf_disable_surveys":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-2227","page","type-page","status-publish","hentry","category-speaking"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/convivialthinking.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2227","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/convivialthinking.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/convivialthinking.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/convivialthinking.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/convivialthinking.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2227"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/convivialthinking.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2227\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2234,"href":"https:\/\/convivialthinking.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2227\/revisions\/2234"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/convivialthinking.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2227"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/convivialthinking.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2227"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/convivialthinking.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2227"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}